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Risiko TV-Kabel - lohnt die Aufrüstung?
Kabel ist nicht gleich Kabel. Dies musste in jüngster Zeit auch ein so erfahrener Geschäftsmann wie John Malone aus Amerika feststellen. Die Wettbewerbshüter in Deutschland stellen ihn vor eine sehr knifflige Frage: Lohnt sich die Aufrüstung der TV-Kabelnetze der Deutschen Telekom oder wird es zu einem Fass ohne Boden?
Hierbei spielt die Qualität der schon verlegten TV-Kabelstrukturen eine entscheidende Rolle. Theoretisch kann man durch die abgeschirmten Koaxialkabel sehr hohe Frequenzen leiten, die dadurch eine große Durchsatzrate ermöglichen. Unangenehm für den Betreiber wird es allerdings, wenn diese Kabel nicht das halten, was sie versprechen. Ingo Wolf befasste sich mit den technischen Hintergründen.
Warum braucht man eigentlich eine hohe Bandbreite?
Für normales Fernsehen und Radio kommt man mit der üblichen Taktung des Kabelnetzes von rund 500MHz ohne Probleme aus. Will man aber dazu auch noch digitale Sender einspeisen, entwickeln sich diese zu wahren Bandbreitenfressern. Im Gegensatz zu einem analogen Signal, bewirkt die Erzeugung eines digitalen Signals, auch wenn es nur moduliert eingesetzt wird, die sagenumwobenen Seitenbänder.
Was sind diese Seitenbänder?
Ein digitales Signal wird durch eine Mischung mehrere analoger Signale auf einem Medium erreicht. Durch dieses "Mischen" dehnt sich der benötigte Platz um gut das Doppelte aus. Hinzu kommt noch, dass mehr Abstand zwischen den einzelnen Signalen vorhanden sein muss, um weitere Störungen zu vermeiden.

Bei digitalen Kabelnetzen werden
die digitalen Signale über ein
hochleistungsfähiges Glasfasernetz
an die Netzknoten angeliefert. Von da an
gehen Koaxialkabel in die Haushalte. |
Im Gegensatz zu der oftmals vertretenen Annahme, TV-Kabelanschlüsse seien nur in einer Richtung sendefähig, werden mittels neuer Strukturen auch Rückkanäle technisch durch Erweiterung von Geräten eingerichtet, die kommunikative Produkte wie Telefonie oder Internet ermöglichen. Dazu werden auf bestimmten Frequenzen zusätzliche Signale eingespeist, denen es egal ist, aus welcher Quelle, ob Kopfstation oder Kabelkunde, sie stammen.
Die theoretische Übertragungsleistung in einer Richtung durch ein TV-Kabel liegt bei ca. 40MBit/sec, die sich allerdings alle an diesem Kabel angeschlossenen Kunden teilen müssen ("Shared Medium"). Ebenso verhält es sich bei der Telefonie. Dem Kabel ist völlig gleich, ob es sich nun um digitale Internetsignale handelt oder aber um Telefongespräche. Ausschlaggebend ist der Punkt, dass jedes dieser Produkte an der Bandbreite frisst. |
Hängen die Bewohner einer Kleinstadt beispielsweise an einem einzigen TV-Kabel, ist die Chance, dass alle gleichzeitig ins Internet gehen oder Telefonieren können, sehr gering, da sich alle die Daten aus dem Kabel teilen müssen. Will man diese Produkte aber dennoch anbieten, muss man die Kabelstrecken "entlasten". Dies geschieht durch viele "Knotenpunkte" (Fibre-Nodes), die gleichmäßig verteilt sind und den Daten-/Sprachverkehr aufnehmen und auf Glasfasernetze mit deutlich größerer Bandbreite übersetzen. Zum Vergleich: Eine dünne Wasserleitung verliert schnell an Druck, wenn viele Nutzer gleichzeitig Wasser benötigen. Also muss es regelmäßig Verbindungen zur großen Hauptleitung geben, damit der Wasserdruck bei intensiver Nutzung gleichmäßig hoch bleibt.
Solche TV-Kabelnetzstrukturen, eine Kombination aus Koaxiakabelstrecken und Glasfasern nennt man in der Praxis HFC-Netze (Hybrid-Fibre-Coax). Der Aufbau solcher Netze ist deutlich teurer und umfangreicher als der Aufbau analoger Kabelsysteme. Der Vorteil für die neuen Kabelnetzbesitzer ist normalerweise, dass in die Wohnungen bereits Koaxialkabel verlegt wurden, man also nur noch die Knotenpunkte mit Glasfasernetzen verknüpfen muss. Sind die schon verlegten TV-Kabel aber von minderer Qualität, ob aus Alters- oder Generationsgründen, muss man deutlich mehr in den kostspieligen Ausbau von Netzknoten investieren.
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Bei analogen Kabelnetzen werden
die Signale in einer Richtung ausgestrahlt.
Alle Kunden erhalten die gleichen Daten.
Ein einziges Kabel könnte bei regelmäßiges
Signalverstärkung beliebig viele
Haushalte versorgen. |
Sollte es zudem noch den Tatsachen entsprechen, dass der Großteil der Kabelnetze der Deutschen Telekom gerade mal bis 500MHz standhalten (ob das Signal nun durch zu hohe Winderstandseigenschaften verschwindet oder aber die nähere Umgebung mit Frequenzen geschwängert wird, sei an dieser Stelle nebensächlich), dann waren die Kosten für den Kauf der Telekomkabelnetze zu hoch im Vergleich zu den Folgekosten, um daraus wahrhaft multimediale Kabel zu zaubern. |
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