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Die Wiedergeburt der Mittelwelle
Nicht weniger als acht Bewerbungen erhielt die Landesanstalt für Rundfunk in Nordrhein-Westfalen 1999, als man drei frei gewordene Mittelwellenfrequenzen ausschrieb. Der Kampf um einen Platz auf der Mittelwelle wurde in allen Bundesländern ausgefochten. In Nordrhein-Westfalen machte letztes Jahr der neue Viva-Radioableger das Rennen. Die Sendungen für die geplante Zielgruppe von 14 bis 29 Jahren, möchte man gerne erst Ende 2001 aufnehmen. Was heute grotesk anmutet, hat Methode: Die Mittelwelle wird digital.
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Viva-Chef Gorny: Vivaradio wird Kult... |
"Noch ein paar Jahre zuvor war ein freier Platz auf Mittelwelle ein völliger Ladenhüter!", scherzt Dr. Peter Widlok, Chef der NRW-Landesmedienanstalt LfR in Düsseldorf. Der Mann hat gut lachen, denn diese Zeiten gehören klar der Vergangenheit an. Die Kids glaubten an einen schlechten Scherz, als erstmals die Nachricht aufkam, Viva will Radio auf Mittelwelle machen: "Da klingt doch eine Telefonverbindung nach Sibirien besser...!" Auch die Worte von Viva-Chef Dieter Gorny, VivaRadio werde Kult-Status erlangen und Viva auf Mittelwelle zu hören, ist so trendy wie das geplante Programm, konnte niemanden wirklich überzeugen. "Allein mit der Mittelwellenlizenz in Nordrhein-Westfalen erreichen wir schon ein Viertel des bundesdeutschen Radiomarktes.", heißt es bei Viva und immerhin das leuchtet ein. Dabei ist Viva nicht der einzige Glücksritter, der den Spagat - junge Zielgruppe, alte Sendetechnik - wagt. Mit dem Kieler Power Radio 612 und Mega-Radio aus Schwerin bekennen sich weitere Jugendsender zur Mittelwelle.
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Das Zauberwort hinter alledem heißt DRM. Das Konsortium Digital Radio Mondiale ist auf dem besten Weg den AM-Rundfunk auf Lang- Mittel- und Kurzwelle einer digitalen Frischzellenkur zu unterziehen. Noch Ende 2001 wird DRM weltweiter Runfunkstandard und nach der kommenden Weltradiokonferenz 2003, auf der Frequenzbereiche für den digitalen Sendebetrieb festgelegt werden sollen, kann es losgehen.
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Die Empfangsgeräte sollen ab 2003 zur Verfügung stehen. Über die Preise kann man heute noch nichts sagen, aber da bereits heute die DAB-Empfänger für das Digital Radio preislich zum Sinkflug angesetzt haben, ist der derzeit gehandelte Aufpreis zum analogen Empfänger von rund 100 Mark durchaus realistisch. Die technischen Unterschiede zwischen einen DAB- und einem DRM-Empfänger sind hauptsächlich in der Software zu finden. Sony, Sangean und Bosch/Blaupunkt gehören dem DRM-Konsortium an und werden sicher rechtzeitig passende Empfänger anbieten. Für diese hundert Mark extra kommt die Mittelwelle dann richtig auf Touren: Der Klang wird sich nicht von heutigen UKW-Monosendungen unterscheiden lassen. Dafür sorgen die Datenkompressionen, die auch den Webradios zu erstaunlichem Sound bei niedrigen Datenraten verhelfen. Basis hierfür bildet der MPEG-2-Layer-II Standard in Verbindung mit den Dolby-Codierverfahren AAC, plus SBR. SBR wurde erst 2001 mit in die Spezifikation integriert und verbessert vor allem die Wiedergabe der hohen Frequenzanteile, die im Normalfall unter zu kleinen Bitraten zuerst leiden und verloren gehen.
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Die DRM-Komfortmerkale werden manch einem schon vom Radio Daten System auf UKW bekannt vorkommen. Der Programmname erscheint in Klarschrift auf dem Display, das Radio sorgt automatisch für die Auswahl der besten Empfangsfrequenz und sogar zusätzliche, programmbezogene Daten, ähnlich den bisherigen Radiotext, lassen sich mit übertragen. Interessant ist weiterhin die Möglichkeit in zwei auswählbaren Sendesprachen zu senden. So könnte VivaRadio, rein theoretisch jedenfalls, ein Interview in deutscher Übersetzung oder im Originalton anbieten.
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Für die übliche Radionutzung, im Bad, im Büro oder einfach so nebenbei, wird die digitale Mittelwelle ein brandheißer Tipp.
Frequenzen:
Viva-Radio: 885 und 702 kHz
Mega-Radio: 693, 1575 und 1017 kHz
Power Radio: 612 kHz
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