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Jugendmedienschutz - Praxis und Akzeptanz • 18.07.2001
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Auszug aus:
Jugendmedienschutz - Praxis und Akzeptanz: eine Untersuchung von
Bevölkerung und Abonnenten des digitalen Fernsehens zum Jugendmedienschutz,
zur Fernseherziehung und zum Jugendschutzinstrument Vorsperre / Bernd Schorb;
Helga Theunert. Hrsg.: Die Landesmedienanstalten. - Berlin: VISTAS Verlag, 2001
Schriftenreihe der Landesmedienanstalten; Bd. 20
ISBN 3-89158-316-8; DM 36,- ab 1.1.2002 EURO 18,-

9. Zusammenfassung: Jugendmedienschutz im Urteil der
Bevölkerung und in der Praxis von Eltern

In der vorliegenden Untersuchung wurden die Haltung zum und die Umgangsweisen mit dem Komplex Jugendmedienschutz und Fernseherziehung in der deutschen Bevölkerung erfasst. Dabei galt das Interesse insbesondere auch den Abonnenten von Premiere World, die bereits über ein zukunftsweisendes Fernsehsystem verfügen und mit einem neuartigen technischen Jugendschutzinstrument umgehen, der Vorsperre. Zwei Repräsentativbefragungen, eine der Gesamtbevölkerung und eine der Abonnenten von Premiere World, zeigen im Ergebnis,

wie der Jugendmedienschutz, das heißt die für das Fernsehen derzeit geltenden Maßnahmen, und verschiedene Fernseherziehungskonzepte beurteilt und angewendet werden und

worin sich die Haltungen und Umgangsweisen von Abonnenten und Bevölkerung und vor allem von Familien und kinderlosen Haushalten unterscheiden.

In einer in die Tiefe gehenden Familienstudie wurden darüber hinaus in 53 Familien mit Eltern und Kindern Intensivinterviews geführt. Im Ergebnis wurden fünf Verhaltenstypen herausgearbeitet, die zeigen, wie in Familien dem Jugendmedienschutz Geltung verschafft wird und durch welche Bedingungen die Verhaltenskonzepte moderiert werden. Besonderes Augenmerk lag - in den repräsentativen Befragungen wie in der Familienstudie - auf dem Jugendschutzinstrument des digitalen Fernsehens, der Vorsperre, und dem Umgang mit ihr in Abonnentenhaushalten. Darüber hinaus wurde die Vorsperre einer Technik- und Anwendungsprüfung unterzogen, die Aufschluss über ihre Funktionalität und Handhabbarkeit für Eltern erbrachte. Die wesentlichen Ergebnisse dieser umfassenden Untersuchung werden im Folgenden zusammengefasst.

9.1 Die Abonnenten digitalen Fernsehens weichen in wichtigen Merkmalen vom Bevölkerungsdurchschnitt ab

  1. Abonnenten sind jünger und haben häufiger Familie

Die weit verbreitete Annahme, Abonnenten des digitalen Fernsehens seien vor allem kinderlose Männer, ist nur zu einem Teil richtig. Zwar gibt es unter den Abonnenten mehr Männer ohne Kinder als im Durchschnitt der Bevölkerung, aber sie machen nur ein gutes Drittel (36%) aller Abonnenten aus. Wer Premiere World als einen Familiensender und einen für Menschen unter vierzig charakterisiert, hat eher recht. Unter den Abonnenten finden sich mehr Familien als im Durchschnitt der Bevölkerung - in über 40% der Abonnentenhaushalte leben Kinder, bei den Bevölkerungshaushalten trifft das nur auf ein Drittel zu. Und 59% der Abonnenten sind jünger als vierzig Jahre.

    • Abonnenten sind generell medienoffen

Abonnenten des digitalen Fernsehens, die ja für mehr Programm eigens bezahlen, sind dem Fernsehen besonders zugetan - diese Annahme bewahrheitet sich bereits bei der Ausstattung mit Fernsehgeräten: In der Hälfte der Abonnentenhaushalte (52%) - und damit deutlich häufiger als in der Bevölkerung (40%) - findet sich mehr als ein Fernsehgerät.

Doch die Abonnenten sind nicht nur dem Fernsehen mehr zugetan, sie zeigen sich insgesamt medienoffen und technikorientiert. Vor allem Computer und Internet sind in ihren Haushalten stärker verbreitet als in Bevölkerungshaushalten. So ist mit 38% die Rate der Haushalte mit Internetanschluss bei den Abonnenten doppelt so hoch wie in der Bevölkerung. Die treibende Kraft für die bessere Fernseh- und Medienausstattung sind - wie die Familienstudie zeigt - vor allem die Väter im Haushalt, die mal technikbegeistert, mal fernsehbegeistert und mal Sportfans sind.

    • Abonnenten sind fernsehbegeistert

Die Fernsehbegeisterung der Abonnenten des digitalen Pay-TV wird - neben der guten Geräteausstattung - insbesondere in ihrer Fernsehnutzung deutlich: Ihre durchschnittliche tägliche Sehdauer liegt um eine Stunde höher als die des Bevölkerungsdurchschnitts und mit einem Drittel finden sich unter ihnen auch mehr Vielseher, die täglich länger als drei Stunden fernsehen. Der erhöhte Fernsehkonsum der Erwachsenen schlägt auf die Kinder in den Abonnentenhaushalten allerdings nur bedingt durch. Nur die jüngeren Kinder sehen etwas mehr als die Gleichaltrigen in Bevölkerungshaushalten - die Vorschulkinder beispielsweise 20 Minuten. Abonnentenkinder im Jugendalter hingegen sehen kaum mehr als ihre Altersgenossen in der Bevölkerung.

Die These von der Fernsehbegeisterung der Abonnenten wird durch die Ergebnisse der Familienstudie bestätigt. Die Verhaltenstypen, in denen die Abonnenten dominieren (Typ drei: Flexible, Typ vier: technische Regulierer und Typ fünf: Negierer), sind dem Fernsehen sehr zugetan: Fernsehen ist eine wichtige, oft ritualisierte Beschäftigung in den Familien, der sich Eltern und Kinder gern widmen. Diejenigen Eltern, die den Fernsehkonsum der Kinder flexibel steuern (Typ drei), begegnen den Fernsehwünschen ihrer Kinder mit Liberalität, die sie aber mit sorgfältiger Beobachtung und Begleitung ihrer Kinder verbinden. Bei den Negierern (Typ fünf), die Fernsehprobleme nur bei anderen sehen, artet die Liberalität oftmals in ein ungebremstes Gewährenlassen der Kinder aus. Die Eltern, die zu den technischen Regulierern (Typ vier) zählen, sehen selbst gern und ausgiebig fern, ihre Kinder jedoch reglementieren sie recht rigide mit technischen Mitteln.

Diese Unterschiede zwischen Abonnenten und Bevölkerung lassen Abweichungen in den Haltungen und praktischen Umgangsweisen mit dem Jugendmedienschutz und der Fernseherziehung erwarten. Dies ist jedoch nur in geringem Maße der Fall. In den grundsätzlichen Denk- und Handlungsstrukturen weisen beide Untersuchungsgruppen große übereinstimmung auf.

9.2 Die gesamte Bevölkerung in Deutschland zeigt hohe Sensibilität für die Schutzbelange von Heranwachsenden

    • Die überwiegende Mehrheit befürwortet den Jugendmedienschutz im Fernsehen

In der Bundesrepublik ist der Jugendmedienschutz unumstritten, trotz aller Debatten in Fachkreisen. 86% der Bevölkerung und sogar 90% der Abonnenten halten es für richtig, dass es den Jugendmedienschutz gibt. Obwohl diese Zahlen schon sehr hoch sind, steigen sie in beiden Stichproben nochmals leicht bei denjenigen Befragten, die den Einfluss der Medien und des Fernsehens auf Heranwachsende negativ einschätzen. Besonders stark ist die Befürwortung des Jugendmedienschutzes in Abonnentenhaushalten, in denen Kinder leben; 94% finden es hier richtig, dass es den Jugendmedienschutz gibt.

Dass die wenigsten Eltern auf den Jugendmedienschutz verzichten wollen, belegen die Ergebnisse der Familienstudie. Selbst diejenigen, die ihn für die eigene Familie nicht als notwendig ansehen, sei es weil sie mehr auf aktive Fernseherziehung setzen (Typ zwei: Erzieher), sei es weil sie in der eigenen Familie keine Fernsehprobleme erkennen (Typ fünf: Negierer), sprechen sich im Hinblick auf andere Familien dafür aus. Für die Negierer formuliert eine Mutter das so: "(Es) gibt bestimmt Familien, wo das (Jugendmedienschutz) erforderlich wäre, aber bei uns ist das nicht der Fall."

    • Nur eine verschwindende Minderheit hält den Jugendmedienschutz im Fernsehen für übertrieben

Nun kann man den Jugendmedienschutz allgemein befürworten, mit seiner Ausführung dennoch unzufrieden sein. Aber auch das ist nicht der Fall. Nur 4% in der Bevölkerung und 9% bei den Abonnenten - unter letzteren finden sich auffällig viele kinderlose Männer - sind der Meinung, der Jugendschutz im Fernsehen werde übertrieben. 90% der Bevölkerung und 88% der Abonnenten sind dagegen mit dem Jugendmedienschutz in seiner jetzigen Form einverstanden oder wollen ihn noch verschärft wissen. Diejenigen, die für einen strengeren Jugendmedienschutz votieren, machen in der Bevölkerung 59% und unter den Abonnenten 49% aus. Darunter sind in beiden Stichproben insbesondere Frauen und in besonders starkem Maße Personen, die von negativen Einflüssen der Medien überzeugt sind, vertreten. In der Abonnentenstichprobe schließen sich verstärkt Personen mit Kindern dieser Haltung an. In der Familienstudie sprechen sich vor allem diejenigen Eltern für eine strenge Reglementierung durch den Jugendmedienschutz aus, die dem Fernsehen gegenüber kritisch eingestellt sind und ihm starke negative Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche zuschreiben. Dazu zählen vor allem Eltern des Typs Reglementierer.

    • Als jugendschutzrelevant gelten vornehmlich Sendungen mit Gewaltdarstellungen

Befragte, die bestimmte Angebote für Kinder und Jugendliche als ungeeignet erachten, beziehen sich am häufigsten, nämlich in beiden Stichproben zu jeweils knapp zwei Dritteln, auf Sendungen mit Gewaltdarstellungen. Auch fast alle Eltern in der Familienstudie sind der Meinung das Heranwachsende solche Sendungen besser nicht sehen sollten. Selbst ausgesprochene Actionfans halten - mit wenigen Ausnahmen - ihre Kinder davon fern.

Ein kleinerer Teil der Befragten, die bestimmte Sendungen für Kinder und Jugendliche als ungeeignet nennen, bezieht sich dabei auf sexuelle Inhalte (20% Bevölkerung, 16% Abonnenten). Die Ergebnisse der Familienstudie erbringen hierzu genauere Aufschlüsse. Die Darstellung von Sexualität, von Geschlechtsteilen oder dem Liebesakt sehen viele Eltern heute als normal und auch im Hinblick auf Kinder und Jugendliche als nicht problematisch an. Ganz anders sieht es aus, wenn die Darstellung von Sexualität mit Gewalt verwoben ist, wenn Sexualität so dargestellt wird, dass es - in den Worten einer Mutter - "menschenverachtend ist oder vor allem frauenverachtend." Von solchen Darstellungen werden schädigende Wirkungen befürchtet und die Eltern möchten entsprechend nicht, dass Kinder und Jugendliche damit in Berührung kommen. Die damit verbundenen Bedenken formuliert die Mutter zweier Töchter so: "Dass sie nicht irgendwie vorab schon ein falsches Bild bekommen (von Sexualität), É weil manchmal sind so brutale Sexszenen drin."

Ein Teil derjenigen Befragten, die konkrete jugendschutzrelevante Sendungen genannt haben, betrachtet auch öffentlich umstrittene Formate wie die täglichen Talkshows als bedenklich (15% bei den entsprechenden Befragten aus der Bevölkerung und 18% bei den Abonnenten). In der Familienstudie zeigt sich, dass die Eltern, die solche Fernsehangebote mit Blick auf Kinder und Jugendliche für problematisch erachten, dem Fernsehen gegenüber kritisch eingestellt sind und teilweise hohe normative Maßstäbe anlegen. Dazu zählen vor allem Eltern des Typs Reglementierer und des Typs Erzieher.

9.3 Sinnlich wahrnehmbare Jugendschutzmaßnahmen erfahren die höchste Zustimmung und Toleranz

    • Die positive Haltung zum Jugendmedienschutz erstreckt sich auch auf die konkreten Maßnahmen der beiden Fernsehsysteme

Die allgemeine Befürwortung des Jugendmedienschutzes wird auch auf die einzelnen, für das Fernsehen geltenden Maßnahmen übertragen. Sowohl die Maßnahmen für das Free-TV - die Sendezeitgrenzen und die Ungeeignetheitsansage - als auch die Vorsperre des digitalen Pay-TV werden von der überwiegenden Mehrheit als sinnvolle Jugendschutzmaßnahmen bewertet. Mehr noch, die meisten Erwachsenen, in der Bevölkerung wie bei den Abonnenten, tolerieren diese Maßnahmen: Sie fühlen sich durch sie in ihrem eigenen Fernsehkonsum nicht gestört bzw. sind bereit, diese Einschränkungen mit Blick auf Kinder und Jugendliche hinzunehmen. Eine Mutter beschreibt das so: "Wenn man dann halt durchgeht, ab einer bestimmten Tageszeit, dann guckt man den (Sender): "Jugendschutz", nächster Sender: "Jugendschutz", nächster: "Jugendschutz". Das ist dann schon irgendwie nervend. Aber É ich findÕs eine vernünftige Einrichtung."

    • Unter den Maßnahmen des Free-TV erfährt die Ungeeignetheitsansage die höchste Zustimmung

Die Ungeeignetheitsansage, mit der seit Frühjahr 2000 darauf hingewiesen wird, für welche Altersgruppe eine Sendung nicht geeignet ist, werten 77% in der Bevölkerung und 84% der Abonnenten als eine sinnvolle Jugendschutzmaßnahme. Die große Mehrheit beider Stichproben fühlt sich durch sie nicht gestört. Warum diese Ansage gut bewertet und toleriert wird erklärt eine Mutter so: "Es ist zumindest ein Signal, dass das also eigentlich kein Film ist für mein Kind. Und wenn ich das negiere, gehe ich einfach bewusst darüber hinweg."

    • Die Sendezeitgrenzen des Free-TV werden toleriert, aber auch kritisiert

Die Zustimmung zu den Sendezeitgrenzen sinkt verglichen mit der Ungeeignetheitsansage, die sie ja eigentlich nur ergänzt und sinnlich fassbar macht, etwas ab, und zwar auf ungefähr zwei Drittel in beiden Stichproben. Auch die Toleranz gegenüber den Sendezeitgrenzen ist etwas weniger stark ausgeprägt: Jedoch fühlen sich drei Viertel der Bevölkerungsstichprobe und zwei Drittel der Abonnenten auch durch diese wichtigste Einschränkung im Fernsehen nicht gestört. Auf Gründe für das geringere Ansehen der Sendezeitgrenzen verweist die Familienstudie. Zwar sehen die meisten Eltern die Tatsache, dass bestimmte Inhalte erst am späten Abend gesendet werden, durchaus positiv, weil dann zumindest die jüngeren Kinder schon schlafen. Aber viele haben Schwierigkeiten, die Sendezeitgrenzen und die damit verbundenen Altersfreigaben zu verstehen. Eine erste Hürde liegt in der Unterscheidung zwischen Sendungen, die für 16- bzw. 18-Jährige zugelassen sind, die vielen Eltern nicht nachvollziehbar ist. Jugendlichen ab 16 Jahren wird von vielen durchaus zugetraut, in ähnlicher Weise wie Erwachsene mit Fernsehinhalten zurecht zu kommen. In Bezug auf Jüngere sieht das die Mehrheit anders. Es ist deshalb für viele Eltern schwer verständlich, warum für die unter 16-Jährigen und vor allem für Kinder, die ja leichter beeinflussbar sind, keine Sendezeitgrenzen vorgeschrieben sind.

    • Die Vorsperre genießt großes Ansehen und wird von der Mehrheit der Abonnenten toleriert

Die Vorsperre findet unter den Maßnahmen des Jugendmedienschutzes die größte Zustimmung: Mehr als zwei Drittel der Bevölkerungsstichprobe beurteilen sie als sinnvolles Jugendschutzinstrument. Bei denen, die die Vorsperre kennen, bei den Abonnenten also, steigt die Zustimmung sogar auf 86%. überraschenderweise ist auch die kleine Gruppe derjenigen Abonnenten von der Vorsperre überzeugt, die den Jugendmedienschutz im Fernsehen für übertrieben hält; zwei Drittel dieser Gruppe werten sie als sinnvolles Jugendschutzinstrument.

Die Vorsperre erfährt jedoch nicht nur große Wertschätzung, sondern es wird ihr auch ein hohes Maß an Toleranz entgegengebracht. Bei den Abonnenten sehen drei Viertel in dieser Jugendschutzmaßnahme keine Störung des eigenen Fernsehkonsums. Das sind noch mehr als bei den Befragten aus der Bevölkerung (68%), die sich dieses Instrument ja nur vorstellen können. Noch deutlicher ausgeprägt ist die Toleranz bei den Abonnentinnen und in den Abonnentenhaushalten mit Kindern: 81% aller Abonnentinnen und ebenso viele Befragte aus Abonnentenfamilien empfinden die Vorsperre nicht als Einschränkung. Wie die Familienstudie zeigt, gilt vor allem bei den Eltern, die zu den technischen Regulierern gehören (Typ vier), die Vorsperre als das sicherste Mittel, um den Kindern ungeeignetes Fernsehprogramm zu ersparen. Bei diesen Eltern erfährt dieses Jugendschutzinstrument entsprechend besonders große Zustimmung.

    • Die Vorsperre stört nur eine kleine Gruppe vorwiegend kinderloser Abonnenten

Unter den Abonnenten finden sich 19%, die angeben, die Vorsperre störe ihren Fernsehgenuss. Obwohl dies verglichen mit denen, die die Vorsperre tolerieren, nur eine kleine Gruppe ist, ist es wichtig, sie genauer zu betrachten. Denn in der öffentlichen Diskussion wird gern behauptet, die Vorsperre treffe die kinderlosen Abonnenten besonders hart und beeinträchtige so auch die Akzeptanz des digitalen Pay-TV. Tatsächlich sind unter den 19% dieser sich gestört fühlenden Abonnenten überdurchschnittlich viele Kinderlose (69%) und Männer (75%). Außerdem finden sich hier überdurchschnittlich viele Personen, die den Jugendmedienschutz als übertrieben erachten und die sich von allen Jugendschutzmaßnahmen, also auch von den Sendezeitgrenzen und der Ungeeignetheitsansage, stärker gestört fühlen als die übrigen Abonnenten. Trotzdem bewertet noch über die Hälfte (57%) dieser kleinen Gruppe die Vorperre als sinnvolle Jugendschutzmaßnahme. Nur 6% aller Abonnenten fühlen sich durch die Vorsperre gestört und halten sie zugleich für ein untaugliches Jugendschutzinstrument.

    • Die Vorsperre ist nachvollziehbar und einfach zu handhaben

Die Ergebnisse der Testung der Funktionalität und Handhabbarkeit der Vorsperre durch Techniker, Medienpädagogen und Eltern lassen den Schluss zu, dass die positive Haltung gegenüber der Vorsperre auch auf ihre einfache und durchsichtige Handhabbarkeit zurückzuführen ist, die eine Abonnentin im Test so kommentiert: "Das ist schon übersichtlich, da findet man sich schnell durch". Dieses Instrument ist in technischer Hinsicht und unter Verständnisaspekten problemlos zu bedienen. Das einfache Außerkraftsetzen der Vorsperre stellt kein Hindernis für den Konsum digitalen Fernsehens dar. Das sieht - wie die Ergebnisse der Befragungen und der Familienstudie zeigen - auch die große Mehrheit der Abonnenten so, diejenigen, die Kinder haben, aber gleichermaßen diejenigen, die in kinderlosen Haushalten leben. Dass sich Premiere World in einigen erklärenden Materialien, wie im Abonnentenmagazin und im Trailer, bemüht, auf der einen Seite den Eltern einen sorgfältigen Umgang mit der Vorsperre nahe zu legen, auf der anderen Seite den Nicht-Eltern dieses Instrument als Gewinn für ein freieres Fernsehen zu vermitteln, fördert die Akzeptanz und wird insbesondere in den Abonnentenfamilien gewürdigt.

    • Die Vorsperre weist auf bedenkliche Inhalte hin; das schätzen Eltern als Orientierung

Ein weiterer Grund für die positive Haltung gegenüber der Vorsperre ist in ihrer deutlichen Hinweisfunktion zu sehen. Der Fernsehapparat bleibt schwarz und stumm, dem Zuschauer wird sozusagen immer wieder sinnlich vor Augen geführt, dass Fernsehangebote für Kinder und Jugendliche Probleme bergen können, und er sieht, dass der Jugendmedienschutz auch vom Anbieter ernst genommen und realisiert wird. Vor allem diese sinnlich wahrnehmbare Präsenz dürfte dazu beitragen, dass die Vorsperre mit 90% bei den geringer gebildeten Abonnenten ein noch höheres Ansehen genießt als bei den hoch gebildeten (82%). Dies ist insofern ein bedeutsames Ergebnis als sich in geringer gebildeten Milieus häufig ein problematischer Fernsehumgang findet und gleichzeitig weniger Willen und Fähigkeiten, Fernseherziehung zu betreiben. Die Vorsperre fungiert - das zeigt die Familienstudie - als Hilfe gerade für die Eltern des Verhaltenstyps Flexible, die Fernseherziehung betreiben wollen, sich ihrer Urteile aber oft nicht sicher sind. Sie macht aufmerksam, bietet Orientierung oder eine Handlungsvorgabe, ja sogar - wie eine Mutter erfreut feststellt - Beweismaterial gegenüber den Kindern: "Das ist auf jeden Fall gut, weil letztendlich das doch schon mal zumindest ein Hinweis für die Kinder ist: "Aha, das ist irgendwas, was für uns doch nicht so geeignet ist"."

    • Der zum Auflösen der Vorsperre benötigte PIN-Code wird vor jüngeren Kindern geheim gehalten, ab dem Jugendalter aber ist dies zunehmend weniger der Fall

Als effektive Jugendschutzmaßnahme ist die Vorsperre nur zu werten, wenn der PIN-Code zur Freischaltung vorgesperrter Sendungen den minderjährigen Familienmitgliedern vorenthalten wird. In den befragten Abonnentenfamilien ist das - so die Ergebnisse der Befragung und der Familienstudie - weitgehend der Fall: Bis zum Beginn des Jugendalters kennen nur vereinzelte Kinder den PIN-Code. Bei den 14-, 15-Jährigen zeigt sich ein klarer Einschnitt: Ein Fünftel kann nun vorgesperrte Sendungen selbst freischalten, bei den 16-, 17-Jährigen sind es dann 40%. Dieser Umgang mit der Vorsperre korrespondiert mit der Praxis der Fernseherziehung, auch sie wird ab dem Eintritt ins Jugendalter zunehmend weniger intensiv betrieben.

    • Ihre volle Wirkung kann die Vorsperre erst in Verknüpfung mit Pay-per-View entfalten

Für Familien, in denen die Kinder selbstständig mit vorgesperrten Sendungen verfahren dürfen, kann die Vorsperre ihre optimale Wirkung erst entfalten, wenn die avisierte Koppelung mit der Pay-per-View-Bestellnummer realisiert ist. In einigen der Familien des Typs Negierer, in denen - trotz problematischen Fernsehverhaltens - weder Fernseherziehung noch Jugendmedienschutz für notwendig erachtet werden, kommen nämlich mehrere Bedingungen zusammen: Die Kinder kennen den PIN-Code. Die Familien nutzen Pay-per-View, den Kindern ist aber eigenmächtiges Bestellen nicht erlaubt. Die Familien weisen durchgängig ein niedriges Anregungsmilieu auf und sind entsprechend finanziell oft auch nicht so gut gestellt. Wäre der PIN-Code mit Pay-per-View gekoppelt, so würden viele Eltern ihn wohl nicht so schnell ihren Kindern preisgeben - wenn nicht aus überzeugung, so doch aus Kostengründen.

9.4 Jugendmedienschutz gilt als Erziehungsaufgabe der Eltern, allerdings mit Unterstützung von Sendern und öffentlichen Kontrollinstanzen

    • Jugendmedienschutz gegenüber Heranwachsenden zur Geltung zu bringen obliegt in erster Linie den Eltern

Die Eltern sollen und müssen den Jugendmedienschutz gewährleisten - das ist die Meinung fast aller Befragten. 50% in beiden Stichproben sehen die Eltern in der Hauptverantwortung; 49% der Abonnenten und 45% der Bevölkerung sehen sie in der Mitverantwortung. Trotz dieser deutlichen Betonung des Elternprivilegs ist die Mehrheit gleichzeitig der Meinung, dass Eltern diese Verantwortung nicht allein zu tragen haben. Sie sollen unterstützt werden durch die, die Fernsehen verbreiten und kontrollieren. Diese anderen Institutionen - so fordert eine Mutter - "sollen helfen und nicht mir das Leben schwer machen."

    • Insbesondere von Fernsehanbietern wird Verantwortungsübernahme für den Jugendmedienschutz erwartet

Die Fernsehanbieter werden von fast allen Befragten nachdrücklich in die Pflicht genommen. über 90% beider Stichproben sehen sie in der Verantwortung, 32% der Bevölkerung und 28% der Abonnenten sogar in der Hauptverantwortung.

    • Der Staat und unabhängige Kontrollinstanzen werden als mitverantwortlich gesehen

Der Staat und unabhängige Kontrollinstanzen tragen ebenfalls eine hohe Verantwortung. Sie werden von jeweils drei Viertel beider Stichproben in der Haupt- oder Mitverantwortung gesehen.

Der Staat ist als Verantwortungsträger jedoch nicht unumstritten. Er wird am deutlichsten in die zweite Reihe als eher mitverantwortlich verwiesen, nur ein Zehntel der Befragten aus der Bevölkerung und noch weniger Abonnenten billigen ihm Hauptverantwortung zu. Gar nicht in die Verantwortung nehmen will ihn immerhin ein Viertel beider Stichproben.

In der Familienstudie wird in Bezug auf Eltern deutlich, welche den Staat mehr und welche ihn weniger in die Verantwortung nehmen wollen: Vor allem Eltern, die die Reglementierung des Fernsehens für unabdingbar halten (Typ eins), begreifen den Staat als mitverantwortlich. Sie fordern explizit Kontrolle und klare Regularien für die Sender und sie haben dabei auch den Minderheitenschutz im Blick. So meint eine Mutter, "dass es schon so eine gewisse Grenze geben sollte. Manchen ist das (was die Kinder im Fernsehen anschauen) ja ganz egal. É Wir haben eine große Freiheit in allem, und ich denke, jeder kann sich selbst maßregeln, aber wenn man nicht mehr dazu fähig ist, sollte in jedem Fall schon eine Oberhand da sein." Eltern des Typs Negierer hingegen meinen, der Staat - und fast ebenso ausgeprägt die unabhängigen Kontrolleure - sollen sich aus dem Jugendmedienschutz raushalten. Die Gründe hierfür liegen zum einen in einer starken Betonung des Elternprivilegs, das man nicht mit öffentlichen Einrichtungen zu teilen bereit ist, und zum anderen in einem Misstrauen gegenüber der Jugendschutzkompetenz von Staat und unabhängigen Kontrolleuren. Dies bringt eine Mutter so zum Ausdruck: "Die kontrollieren halt so, wie sie es meinen É so wie sie es selber einschätzen É irgendwelche Unverheiratete É, die zu Hause keine Kinder haben, die dann Alpträume haben oder das glauben, dass man das wirklich so machen kann."

9.5 Der Weg, auf dem Eltern dem Jugendmedienschutz Geltung verschaffen, ist die Fernseherziehung

    • Die Mehrheit befürwortet Fernseherziehung in aktiven Formen

Fernseherziehung tut Not - davon gehen drei Viertel der Bevölkerung und zwei Drittel der Abonnenten aus. Diese überzeugung ist besonders ausgeprägt bei Befragten mit höherer Bildung, bei Frauen und verständlicherweise bei den Befragten, in deren Haushalten Kinder leben. Die Mehrheit der Befragten ist außerdem der Meinung, die Eltern müssten als Erziehende aktiv handeln. Für Laissez-faire, also dafür, Kinder beim Fernsehen einfach gewähren zu lassen, sind nur wenige: jeweils etwas über ein Zehntel in der Bevölkerung und bei den Abonnenten, Kinderlose sind hier stark vertreten.

    • Vielsehende Abonnenten halten Fernseherziehung am wenigsten für notwendig

Es gibt eine Gruppe, in der weniger als die Hälfte (49%), für die Notwendigkeit von Fernseherziehung plädiert: die Vielseher unter den Abonnenten (bei den Vielsehern in der Bevölkerung sind hingegen 64% für Fernseherziehung). Vielsehende Abonnenten sind damit die einzige Gruppe, in der Fernseherziehung nicht von einer klaren Mehrheit als notwendig erachtet wird. Dieses Ergebnis verweist auf ein Problempotential, denn - so ein Befragungsergebnis - vielsehende Eltern haben auch vielsehende Kinder. Die Familienstudie verdeutlicht darüber hinaus, dass insbesondere in dem überwiegend von Abonnenten besetzten Verhaltenstyp fünf, den Negierern, ein problematischer Fernsehkonsum erkennbar ist und viele Eltern kaum zu Fernseherziehung bereit sind.

    • In der Mehrheit der Familien wird aktive Fernseherziehung praktiziert, in direktiven, argumentativen und begleitenden Formen

Die große Mehrheit der Eltern erzieht ihre Kinder aktiv und bewusst. Für über zwei Drittel der Kinder aus beiden Stichproben stehen dabei direktive Maßnahmen im Vordergrund, ihr Fernsehkonsum wird in zeitlicher und inhaltlicher Hinsicht reglementiert und kontrolliert. Eine argumentative Fernseherziehung erfährt etwa die Hälfte der Kinder aus beiden Stichproben. Sie müssen sich mit ihren Eltern über das Fernsehen auseinandersetzen und ihren Fernsehkonsum aushandeln. Ebenfalls etwa die Hälfte der Kinder aus beiden Stichproben werden von ihren Eltern beim Fernsehen begleitet, das heißt die Eltern schauen mit ihren Kindern fern oder überprüfen regelmäßig, was diese sehen.

Die Laissez-faire-Praxis, also das Gegenteil einer aktiven Fernseherziehung, ist in der Erziehungspraxis häufiger anzutreffen, als die schlechte Bewertung (siehe oben) es vermuten lassen würde: Immerhin 38% der Kinder aus den Bevölkerungshaushalten und ein Drittel der Abonnentenkinder dürfen nach eigenem Gutdünken mit dem Fernsehen umgehen.

    • Fernseherziehung in Familien ist variabel und vor allem am Alter der Kinder orientiert

Fernseherziehung ist wie jede Erziehung ein lebendiger Prozess. Die Familienstudie macht deutlich, dass sich wenige Eltern auf nur eine Erziehungsform konzentrieren, wie beispielsweise die technischen Regulierer (Typ vier), die den Fernsehkonsum ihrer Kinder mit technischen Mitteln reglementieren und dabei eher rezepthaften Regeln folgen. Die meisten Eltern - wie beispielsweise die Reglementierer (Typ eins) und die Erzieher (Typ zwei) - setzen Schwerpunkte, ergänzen diese aber nach Bedarf mit anderen Erziehungsstrategien oder sie vertrauen von vornherein auf einen situationsgeleiteten Mix unterschiedlicher Maßnahmen wie die Flexiblen (Typ drei). Welche Formen der Fernseherziehung in den Familien zur Anwendung kommen, hängt neben dem allgemeinen Erziehungskonzept in starkem Maße vom Alter der Kinder ab.

    • Direktive Einflussnahme auf ihren Fernsehkonsum müssen insbesondere 6- bis 15-Jährige hinnehmen

Jeweils über 80% der 6- bis 11-Jährigen aus der Bevölkerungs- und der Abonnentenstichprobe bekommen von den Eltern klare Grenzen gesteckt und erhalten Vorgaben, wann und wie lange sie fernsehen und welchen Angeboten sie sich im Fernsehen zuwenden dürfen. Bei den 12- bis 15-Jährigen trifft das auf drei Viertel der Kinder aus beiden Stichproben zu.

Die Familienstudie zeigt, dass Eltern, die ihre - in der Regel sehr fernsehbegeisterten - Kinder mit direktiven Maßnahmen zum richtigen Umgang mit dem Fernsehen führen wollen, vor allem in den Verhaltenstypen Reglementierer (Typ eins) und technische Regulierer (Typ vier) zu finden sind. Beide Typen basieren ihre Fernseherziehung auf ein striktes, vorwiegend zeitlich konzentriertes Regelwerk. Die Reglementierer machen ihren Kindern dabei Vorgaben, die stark normorientiert sind und auf einer kritischen Haltung zum Fernsehen fußen. Bei den technischen Regulierern, bei denen die Abonnenten dominieren, erfolgt die Begrenzung des Fernsehkonsums vor allem über die d-box-Sperre, die Fernsehen über die d-box ausschließt. Während die Reglementierer sich normengeleitet mit dem Fernsehen und ihren Kindern auseinandersetzen und darauf ihre Fernsehregeln gründen, trachten die technischen Regulierer vor allem danach, erzieherisches Handeln und Entscheiden so weit wie möglich an die Technik zu delegieren. Beiden Typen kommt ein strenger Jugendmedienschutz zupass, der ihre eigenen Regelwerke unterstützt.

    • Bei 6- bis 15-Jährigen spielt auch die argumentative Fernseherziehung eine wichtige Rolle

Dass sie sich mit ihren Eltern über das Fernsehen auseinandersetzen und die eigenen Spielräume in punkto Fernsehen argumentativ aushandeln müssen, erfahren die 6- bis 11-Jährigen am deutlichsten, und zwar zu 71% in den Bevölkerungs- und zu 63% in den Abonnentenhaushalten. Für die 12- bis 15-Jährigen trifft das jeweils auf die Hälfte zu.

Die Eltern dieser Kinder sind - so die Ergebnisse der Familienstudie - vorwiegend dem Verhaltenstyp zwei, den Erziehern zuzuordnen. Ihnen ist es darum zu tun, dass ihre Kinder medienkompetent werden, eine kritischreflektierte Haltung zum Fernsehen und einen souveränen Umgang mit ihm entwickeln. Sie bauen dabei auf überzeugung, das eigene Vorbild und die Unterstützung durch professionelle pädagogische Einrichtungen.

    • Beim Fernsehen begleitet werden die jüngeren Kinder

In den Genuss einer begleitenden Fernseherziehung kommen in erster Linie die jüngeren Kinder, die Vorschulkinder in den Bevölkerungshaushalten zu 59%, in den Abonnentenhaushalten zu 42%. Für die Hälfte der Grundschulkinder in beiden Stichproben gilt das ebenfalls.

Die Eltern dieser Kinder - nach der Familienstudie vorwiegend bei den Flexiblen (Typ drei) zu finden - sehen selbst gern fern, auch gemeinsam mit ihren Kindern. Da sie aber weder alle Fernsehangebote noch ausufernden Fernsehkonsum für Kinder gut finden, beobachten sie deren Fernsehverhalten aufmerksam und reagieren darauf situationsabhängig mit verschiedenen erzieherischen Maßnahmen. Vom Jugendmedienschutz erwarten sich diese Eltern Orientierung für ihr erzieherisches Handeln.

    • Ist das Jugendalter erreicht, geht die aktive Fernseherziehung zugunsten des Laissez-faire kontinuierlich zurück

Für die Mehrheit der Kinder endet die familiäre Fernseherziehung mit 16 Jahren. So werden nur noch 36% der 16- und 17-Jährigen aus der Bevölkerungs- und 27% aus der Abonnentenstichprobe beim Fernsehen reglementiert. Für die argumentative und die begleitende Fernseherziehung sieht es ähnlich aus. Mit dem Ende der Fernseherziehung bleibt es den Heranwachsenden selbst überlassen, wie sie es mit dem Fernsehen halten. Dies ist der Endpunkt eines kontinuierlichen Anstiegs der Laissez-faire-Praxis über die Alterstufen hinweg: Bleibt die freie Wahl des Programms und der Sehzeit im Vorschulalter in beiden Stichproben ungefähr jedem zehnten Kind überlassen, so trifft das im Grundschulter bereits auf jedes dritte Kind in der Bevölkerung und auf jedes vierte bei den Abonnenten zu. Mit Beginn des Jugendalters kann bereits jedes zweite Kind in beiden Stichproben seinen Fernsehkonsum selbst bestimmen und bei den 16- und 17-Jährigen ist das für gut zwei Drittel in der Bevölkerungs- und für 83% in der Abonnentenstichprobe der Fall. Zugleich kennen ab dem Jugendalter zunehmend mehr Abonnentenkinder den PIN-Code für das Ausschalten der Vorsperre (vgl. 9.3).

    • Das Laissez-faire hat zwei Hintergründe: das Alter der Kinder und die überschätzung von deren Fernsehkompetenz

Das Fehlen von Fernseherziehung, das die Familienstudie für den Verhaltenstyp fünf, die Negierer, feststellt, hängt bei knapp der Hälfte der zugeordneten Familien damit zusammen, dass die Kinder bereits das Alter erreicht haben, wo den Eltern Bemühungen um den richtigen Umgang mit dem Fernsehen nicht mehr notwendig oder nicht mehr aussichtsreich erscheinen. Bei der anderen Hälfte der Negierer aber ist das Laissez-faire auch für die jüngeren Kinder Praxis. Diese Eltern entwickeln kaum fernseherzieherische Aktivitäten, weil sie generell die Erziehung ihrer Kinder vernachlässigen oder weil sie deren Fernsehkompetenz völlig überschätzen. So geht es einem 10-Jährigen, dessen Mutter erklärt: "Ich bin persönlich der Meinung, wenn ein Film erst ab 16 Jahren (geeignet) ist, dann kann mein Kind mit fast elf den gucken." Diese Familien stellen eine der engeren Zielgruppen des Jugendmedienschutzes dar. Denn der Fernsehkonsum von Eltern und Kindern weist mengenmäßig wie inhaltlich problematische Züge auf und die Eltern leisten kaum einen Beitrag, um den Kindern bedenkliche Fernsehangebote zu ersparen.

Für den Jugendmedienschutz und damit verbunden für die Fernseherziehung ist als Fazit festzuhalten:

  1. Der Jugendmedienschutz genießßt in der Bevölkerung und bei den Abonnenten des digitalen Fernsehens hohes Ansehen und breite Akzeptanz.
  2. Die Jugendschutzmaßnahmen für beide Fernsehsysteme werden von Eltern wie von Kinderlosen als sinnvoll gewertet und in ihren Auswirkungen auf den eigenen Fernsehkonsum toleriert.
  3. Von den Sendern und von den öffentlichen Jugendschutzinstanzen wird gefordert, dass sie Eltern nachhaltig darin unterstützen, den Jugendmedienschutz in der Familie zu gewährleisten.
  4. Die Eltern erwarten inhaltlich qualifizierte Jugendschutzmaßnahmen, die begründet, transparent und leicht nachvollziehbar sind und Orientierungshilfen für die familiäre Fernseherziehung bieten.
  5. Fernseherziehung wird von der Bevölkerung und von den Abonnenten für notwendig erachtet und von der Mehrzahl der Eltern aktiv praktiziert. Allerdings geht ihre Intensität mit Beginn des Jugendalters kontinuierlich zurück.
  6. Da ein Teil der Eltern den Erziehungsauftrag nicht wahrnimmt, ist Jugendmedienschutz als Minderheitenschutz unabdingbar.
  7. Die Förderung von Medienkompetenz durch Erziehung kann den Jugendmedienschutz ergänzen, nicht aber ersetzen.

Für die Vorsperre als Jugendschutzinstrument des digitalen Fernsehens ist als Fazit festzuhalten:

  1. Die Vorsperre als Maßnahme des technischen Jugendmedienschutzes ist im Kontext eines inhaltlich begründeten Jugendmedienschutzes ein praktikables Instrument. Es wird von den
    Abonnenten des digitalen Fernsehens geschätzt und toleriert, nicht zuletzt, weil es sinnlich wahrnehmbar an die Schutzbelange von Heranwachsenden erinnert.
  2. Der PIN-Code wird vor jüngeren Kindern in der Regel geheim gehalten. Haben die Kinder dagegen das Jugendalter erreicht, handhaben viele Eltern diese Jugendschutzmaßnahme zunehmend laxer. Eine Koppelung mit Pay-per-View kann hier korrigierend wirken.
  3. Innerhalb eines inhaltlich qualifizierten Systems des Jugendmedienschutzes könnte die Technik der Vorsperre eine Grundlage für Jugendmedienschutz in anderen digitalen Medien sein, vorausgesetzt die Devise von Eltern: "nachvollziehbar, einfach handhabbar und sicher" wird beachtet.

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