Es wird viel versprochen...
Jeder, der sich ernsthaft mit der Technologie von TV-Kabelnetzen auseinander gesetzt hat, weiss, dass die derzeitigen vielversprechenden und großmundig angekündigten Absichten zum Ausbau von diversen Unternehmen sich in der realen Praxis eher als Tröpfchen auf den heissen Stein erweisen werden. DigiTV.de und Kabelinfo.de erklären, wann Internet über das Kabel wirklich so schnell ist, wie es die Anbieter versprechen.
Der Begriff "Bandbreite":
Jedes "Signal" (=Zeichen/ Information) wird durch den Wechsel von Zuständen bestimmt. Bei der digitalen Übermittlung sind das die Werte 0 und 1. Die Bandbreite gibt an, wie oft pro Zeiteinheit die übermittelten Werte zwischen 0 und 1 wechseln können. Dadurch bestimmt die Bandbreite die tatsächlich zu übertragende Datenrate pro Zeiteinheit.
Das TV-Kabel zeichnet sich nach einem Ausbau durch eine hohe Bandbreite aus, es können viele Daten übertragen werden. Daher entstand der Begriff "Breitbandkabel".
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Das Prinzip
Grundlage aller Datenkommunikation über das TV-Kabel werden ermöglicht durch die hohe Bandbreite in diesem Medium, die sich aber alle angeschlossenen Teilnehmer untereinander teilen müssen. Wenn man nämlich zum Beispiel eine ganze Stadt an nur ein einziges TV-Kabel anschliesst, dann wird die bisher hohe Bandbreite unter allen Nutzer aufgeteilt und am Ende kommt bei dem Einzelnen kaum noch eine akzeptable Datenrate an.
Wie kommt das TV-Kabel zu seiner Bandbreite?
Bei den herkömmlichen Telefonleitungen liegt diese maximal einsetzbare Frequenz recht niedrig. Ja sogar mit am niedrigsten, da diese Kupferkabel nicht abgeschirmt, die Umgebung durch Störabstrahlung der Frequenzen belastet bzw. ganze Frequenzbänder beeinflußt. Als nächst höheres Medium wären die herkömmlichen Stromleitungen zu nennen, die den Vorteil besitzen, aus vielen kleinen Einzelkupferdrähten aufgebaut zu sein, wodurch sich eine deutlich höhere Bandbreite ergibt. Aber hierbei liegt die Abschirmung der Kabel sogar noch viel deutlicher unter der der Telefonkabel.
Als absoluter Favorit wären zuletzt noch die abgeschirmten TV-Kabel als auch das zur Zeit Non-plus-Ultra, direkt Glasfaseranbindungen zu nennen. Letztere zwei Systeme arbeiten grundsätzlich im Megahertz bzw. Gigahertzbereich, da sie - bei fachmännischer Verlegung - keinerlei Störeinflüsse auf die Umgebung erzeugen.
So wird "Bandbreite erzeugt" - die Tricks
Um dennoch deutlich höhere Transferraten über beispielsweise die herkömmlichen Telefonleitungen zu bewerkstelligen bedarf es einer teuren Technik (zum Beispiel ADSL), um mit Hilfe von Kompressions- und Verschlüsselungstricks dennoch hohe Datenraten zu realisieren.
Der Begriff "Backbone":
Als Backbones (Rückgrat) werden im Internet große Datenleitungen bezeichnet, die den Großteil des nationalen und internationalen Datenverkehrs übertragen. Zu Beginn des Internets unterhielten die ARPA und später die NSF die Backbones, in der heutigen Zeit betreiben die großen Provider im Internet ihre eigenen Backbones, die national untereinander verbunden sind. Darüberhinaus gibt es auch reine Backbone-Betreiber.
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Etwas haben sie alle gemeinsam:
Einen leistungsfähigen Backbone (="Rückgrat"), der fast immer aus einem Netz von Glasfaserkabeln aufgebaut ist. Dies gilt gleichermaßen für Telefon-, Strom-, als auch für TV-Kabelnetze. Um die riesige Menge an Daten in ein leistungsfähigeres Medium zu übertragen und dadurch die Teilbelastungen der Kabelsysteme zu entlasten müssen genügend Backbones vorhanden sein. Nur so kann man konstante Datenraten garantieren.
Hierzu ein Beispiel der TV-Kabel: Der theoretische Maximalwert bei der gegenseitigen Datenrate (also in beiden Richtungen zu empfangende, als auch zu sendende Daten) liegt bei ca. 40MBit/sec (~5MB/sec). Dies hört sich wie ein Traum für jeden ISDN- oder gar Analog-Modemnutzer an. Wenn man sich aber vorstellt, dass nicht nur ein Nutzer am Ende der Leitungen Daten "saugt", sondern im Extremfall eine ganze mittlere Kleinstadt von 50.000 Haushalten, dann werden diese unvorstellbar großen Datenraten von 40MBit/sec durch die Anzahl der gleichzeitigen Nutzer aufgeteilt. Im schlimmsten Fall kommen dann eben nur noch der 50.000-te Bruchteil von 40MBit/s durch die Leitungen. Um diese Überlastung der Netze zu verhindern, greift man auf die Backbones zurück, die den hohen Datenanteil aus den Netzen herausnehmen und so dem Einzelkunden genug Bandbreite zur Verfügung zu stellen, damit er noch tatsächlich Spaß und Nutzen an dem Anschluss hat.
Fazit
Es lässt sich auf keinen Fall das derzeitige TV-Kabelnetz der Bundesreupblik Deutschland innerhalb von wenigen Wochen rückkanalfähig umbauen, ohne dass man größte und aufwendige Umbauarbeiten durchführen muss. Die Kunden müssten sich eine Transferrate von mehreren MBit/sec mit tausenden weiteren Kunden teilen. Dies macht keinen Sinn. Dennoch - juristisch gesprochen - dürfte solch ein Netzbetreiber es behaupten: "Unseren Kunde steht ein rückkanalfähiges TV-Kabelnetz mit bis zu 40MBit/sec Datenrate zur Verfügung"
Was sehr gerne verschwiegen wird:
Wie gut ist der dazugehörende Backbone ausgebaut?
Wenn also ein eKabel-Konsortium oder KLESCH oder CALLAHAN behauptet, in Hessen sogar bis zu 50MB/sec in den nächsten Jahren seinen Kunden anbieten zu wollen, darf man durchaus etwas kritisch darüber nachdenken und die Seriösität dieser Meldung anzweifeln, da man hierbei die Tatsache verschwiegen hat, dass sich diese theoretisch erreichbaren 50MB/sec durch große Teile auf Datenpaketen bezieht, die nur in eine Richtung via TV-Kabel versandt werden können. Das heißt, dass man hierbei auch gleich die Daten miteingerechnet hat, die auch durch die eingespeisten TV-Sender generiert werden. Keinesfalls jedoch handelt es sich hierbei wie in dem Falle von Glasfasernetzen um eine Datenart, die man in beide Richtungen schicken könnte.
Zumindest eines steht fest:
Rückanalfähige TV-Kabelnetze bedürfen eines hochmodernen Backbones, bestehend aus an Glasfaserringen angeschlossenen Knotenpunkten, die eine akzeptable und deshalb interessante Datenrate gewährleisten. Dies bedeutet aber: Zeit, hohe Investitionskosten, als auch eine komplizierte Vorplanung.
Wenn man Meldungen ließt, dass ein Investor dies alles im Schnitt für 100.000 Kabelanschlüsse pro Monat bewerkstelligen möchte, sollte man auch erst einmal genauer hinschauen, was genau und bei welcher Qualität umgebaut wird.
Ingo Wolf, Kabelinfo.de